Musik an der Johanneskirche in Heidelberg-Neuenheim
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Ostermusik online

Karsamstag, 11. April 2020



Symbolerklärung:
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Musik und Wort zur Grablegung Jesu

Worte zur Grablegung Jesu aus dem Lukasevangelium (Lukas 23, 50-55) und Gedanken von Helmut Gollwitzer („Jesu Tod und Auferstehung“) sowie Musik für Viola da gamba und Cembalo lassen uns das Unfassbare erleben. „Und da er (Karfreitag) in die tiefste Tiefe, in die unwiderrufliche Hoffnungslosigkeit des Gestorbenen und Begrabenen hineingeht, da ruft er dann „dem, was nicht ist, dass es sei““.   (Helmut Gollwitzer)
Sie hören zuerst die Sonatina für Viola da gamba und Cembalo von Johann Michael Nicolai (1629-1685). J. M. Nicolai war bis 1655 Mitglied der Hofkapelle des Herzogs von Sachsen-Lauenburg, ab 1655 bis zu seinem Tod 30 Jahre lang als Instrumentalist in der Hofkapelle. Stuttgart, wo er Violone spielte. Außerdem war er als Lehrer für die Chorknaben tätig. 

Als zweites Musikstück hören Sie aus Georg Philipp Telemanns (1681-1767) Sonate e-Moll für Viola da gamba und Cembalo das Recitativ und Arioso. 
Für Georg Philipp Telemanns Werke typisch sind gesangliche Melodien, einfallsreich eingesetzte Klangfarben, auch ungewöhnliche harmonische Effekte. Ein Recitativ innerhalb einer Sonate, nicht einer Kantate, ist hier schon etwas Besonderes; die Musik spricht zu uns in der „Verzweiflungstonart e-Moll „(Mattheson) mit „Schmerzensintervallen“ (kleine Terzen bei Kirnberger).
Das dritte Musikstück ist eine Grabmusik für Cembalo: „Le Tombeau de Monsieur De Blancrocher von Louis Couperin (1626-1661). 
Das Tombeau (ein Lamento) stammt aus der französischen Literatur und wurde erstmals zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den französischen Lautenisten in der Musik verwandt. Das „Tombeau de Mr de Blancrocher“, Couperins elegische Hommage an den gefeierten Lautenisten, ist aufgrund seiner programmatischen Bezüge auf den tragischen Unfall Blancrochers bemerkenswert, der 1652 starb, nachdem er eine Treppe hinuntergestürzt war. Im zweiten Abschnitt werden zwei absteigende Motive in der tiefen Lage des Cembalos mehreren Dissonanzen-Ketten im oberen Register gegenübergestellt. Damit wird möglicherweise sowohl der Unfall als auch Blancrochers Aufstieg in den Himmel dargestellt; zudem erinnert es an die Lautenisten-Technik, das sogenannte sans chanterelle, wobei die oberste Saite der Laute vermieden wird.

Das vierte Musikstück ist das „Tombeau pour Monsieur De Sainte Colombe“ für Viola da gamba von Marin Marais (1656-1728).Marin Marais (Solo-Gambist am Hof des Sonnenkönigs) war Schüler des sagenumwobenen Sainte-Colombe (Film „Die siebet Saite“) und schuf 1701 mit der Komposition „Tombeau pour Monsieur de Sainte-Colombe“ einen musikalischen Nachruf auf seinen Lehrer.
Als letztes Musikstück erklingt das „Adagio“ aus der Sonate D-Dur für Viola da gamba und Cembalo von Johann Sebastian Bach (1685-1750), BWV 1028.
Wir haben bewusst den Halbschluss am Ende beibehalten, als musikalisches Fenster auf Ostern hin.   

Mitwirkende:
Michael Spengler, Viola da gamba; Beate Rux-Voss, Cembalo; Catharina Firnhaber, Lesung

Kantorat an der Johanneskirche, Lutherstraße 67, D-69123 Heidelberg-Neuenheim