Musik an der Johanneskirche in Heidelberg-Neuenheim
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Orgelmusik online

Jesus Christus unser Heiland, der von uns den Gottes Zorn wand





Symbolerklärung:
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Jesus Christus unser Heiland, der von uns den Gottes Zorn wand

EG 215

Lied von Martin Luther zum Abendmahl

Vorlage: Lateinische Hymne „Christus nostra salus“ aus dem 14. Jahrhundert. Abgesehen von
der 1. Strophe entfernt sich Luthers Lied aber von der Vorlage.
Luther schreibt 10 Strophen als eine Art Anweisung, das Abendmahl würdig zu empfangen
und welche Frucht das bringe. Bei der Warnung lässt Luther Christus in direkter Rede
sprechen: „Kommt ihr Armen, lasst mich über euch erbarmen, kein Arzt ist dem Armen Not,
sein Kunst wird an ihm gar zu Spott….“Wir erinnern uns dabei an Mt 11, 28: „Kommt her zu
mir alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“
Die Melodie stammt wahrscheinlich aus dem Mittelalter.

1. Strophe:
Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt,
durch sein bitter Leiden sein half er uns aus der Höllen Pein.

Franz Tunder (1614-1667), Vorgänger Dietrich Buxtehudes als Organist an der Marienkirche in
Lübeck, schrieb unter anderem eine dreiteilige Bearbeitung über dieses Lied, von einer
archaischen Großartigkeit mit kühnen Harmonien, die das spätere Werk von Buxtehude und
Bach vorbereitete.

In der ersten Strophe wählt er auch das Doppelpedal. Der rechte Fuß spielt hierbei den cantus
firmus. Der linke Fuß (Bass) einen Kontrapunkt. So wie wir es auch bei anderen
Choralbearbeitungen kennen (z.B:. J. S. Bach „Aus tiefer Not“)

Die norddeutsche Orgelbautradition ist hierfür besonders prädestiniert wegen der
eigenständigen Pedalregister (Zungenstimmen u.a.) und Pedaltürme an der Seite der Orgel. In
der dritten Strophe tauchen wilde Oktavsprünge in den Manualen auf über dem gravitätisch
augmentierten cantus firmus im Pedal.

Johann Sebastian Bachs Bearbeitung (BWV 688) ist auch Teil des III. Teil der Clavierübung.
Bach komponiert es als kunstvolles Trio, den Cantus firmus im Pedal. Die ersten vier Töne
bilden ein Kreuzesmotiv. Die Intervalle (Decime, Oktave,
Sexte) werden immer kleiner: Gott nähert sich an. Christus ist der Mittler. Manche
interpretieren die Achtelnoten auch als „Schläge“.

Die Zahlensymbolik hier besonders interessant:
Das Achtelmotiv (Anfang) erscheint 72 mal. In der altkirchlichen Tradition wurde erwähnt,
dass Christus wegen der 72 Sprachen und Völker, denen der Glaube gebracht werden sollte,
72 Jünger berufen habe. 72 Bücher der Bibel verkünden das Lob Gottes. (Albert Clement).

Kantorat an der Johanneskirche, Lutherstraße 67, D-69123 Heidelberg-Neuenheim