Musik an der Johanneskirche in Heidelberg-Neuenheim
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Orgelmusik online

An Wasserflüssen Babylon
 

 
 
Symbolerklärung:
 
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An Wasserflüssen Babylon

So heißt ein alter Choral von Wolfgang Dachstein zu Psalm 137 mit der früher sehr beliebten
Melodie, die auch für "Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld" verwendet wurde. "Melodia
suavissima". Luther nahm Text und Melodie (Ein Lämmlein) im Jahr 1545 in das Babstsche
Gesangbuch auf!
"An Wasserflüssen Babylon,
da saßen wir mit Schmerzen;
als wir gedachten an Zion,
da weinten wir von Herzen;
wir hingen auf mit schwerem Mut
die Harfen und die Orgeln gut
an ihre Bäum der Weiden,
die drinnen sind in ihrem Land,
da mussten wir mit viel Schmach und Schand
täglich von ihnen leiden."
Fast jeder Komponist des 17. und 18. Jahrhunderts hat eine Bearbeitung des Liedes
geschaffen. Johann Sebastian Bach kannte das Lied und die Kompositionstradition, hatte er
doch den greisen Johann Adam Reincken dessen monumentale Fantasie (fast 20 Minuten
lang!) selbst spielen gehört. Bach hat im Jahre 1701 mehrmals von Lüneburg die 40
Kilometer nach Hamburg zu Fuß zurückgelegt, um den dort wirkenden Komponisten
Reincken zu treffen. Bach war damals 17 Jahre alt.
Spätestens in Bachs Weimarer Zeit ca. 1708 vertonte er nun auch diesen Choral, und zwar mit
einer 5-stimmigen Fantasie mit Doppelpedal! (BWV 653b). Wahrscheinlich schrieb er in
seiner Leipziger Zeit dann die 4-stimmige Fassung (BWV 653a). Vielleicht, da die Technik
des Doppelpedalspiels im 18. Jahrhundert immer mehr verloren ging? Hier ist der cantus
firmus (Melodie) im Tenor, statt im Sopran zu hören.
Für mich strahlen die beiden Bearbeitungen eine überirdische Ruhe aus: wir sind im Fluss der
Zeit, mitten in der Passionszeit und Krisenzeit. Die geniale kontrapunktische Ordnung der
Töne spiegeln mir Gottes Größe wider. Es ist doch, als ob unser Weinen und unsere Ängste
dabei aufgehoben werden. G-Dur.
Vielleicht haben Sie auch die Erfahrung gemacht, dass einem das Herz leichter wird, wenn
man am Fluss sitzt (wie bei uns der Neckar) und dem Wasserstrom zusieht?
Selten werden die beiden Stücke noch gespielt, mir haben sie heute so gut getan in der
Corona-Zeit.
Und vielleicht auch Ihnen. Hoffen wir, dass die „Orgeln und Harfen“ bald wieder von den
„Weiden“ abgenommen werden können.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Ihre Beate Rux-Voss

Kantorat an der Johanneskirche, Lutherstraße 67, D-69123 Heidelberg-Neuenheim